Rentenlücke berechnen: So groß ist Ihre Versorgungslücke wirklich
Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen dem, was Sie im Alter zum Leben brauchen, und dem, was Ihnen an gesetzlicher Rente und anderen Alterseinkünften tatsächlich bleibt. Fast jeder hat eine – die entscheidende Frage ist, wie groß sie ausfällt. Wer sie kennt, kann seine Vorsorge gezielt darauf ausrichten, statt ins Blaue zu sparen. Dieser Ratgeber zeigt Schritt für Schritt, wie Sie Ihre persönliche Lücke seriös berechnen. Für eine schnelle erste Orientierung nutzen Sie unseren interaktiven Rentenlücken-Rechner, der Bedarf, Rente und nötigen Sparbeitrag sofort ausrechnet. Er ist Teil unseres Überblicks zur privaten Altersvorsorge.
Bedarf und Rente: zwei Größen, eine Differenz
Die Berechnung hat zwei Seiten. Auf der einen steht Ihr Bedarf im Ruhestand, auf der anderen Ihre voraussichtlichen Alterseinkünfte. Als grobe Faustregel brauchen die meisten Haushalte rund 70 bis 80 Prozent ihres letzten Nettoeinkommens, um den gewohnten Lebensstandard zu halten. Manche Kosten fallen weg – Sparraten, Beiträge zur Arbeitskraftabsicherung, Ausgaben für Beruf und Pendeln, oft auch die abbezahlte Immobilie. Andere steigen, besonders für Gesundheit, Pflege und Freizeit. Diese Ersatzquote ist nur ein Startwert; wer im Alter viel reisen möchte oder Miete zahlt, sollte höher ansetzen.
Woher Sie Ihre voraussichtliche Rente kennen
Die wichtigste Quelle ist die jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Sie erhalten sie automatisch ab dem 27. Lebensjahr, sobald mindestens fünf Jahre Beiträge gezahlt wurden (§ 109 SGB VI). Ab 55 Jahren gibt es zusätzlich die ausführlichere Rentenauskunft. Wichtig ist, die Zahlen richtig zu lesen: Die Renteninformation nennt eine Rente auf heutigem Stand und zusätzlich einen hochgerechneten Wert. Beide sind Bruttobeträge – davon gehen im Alter noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie Steuern ab.
Drei Stolperfallen bei der Renteninformation
- Es ist ein Bruttowert: Von der gesetzlichen Rente werden Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen – in der Größenordnung von rund 11 bis 12 Prozent. Dazu kommt die Steuer, deren Anteil vom Renteneintrittsjahr abhängt.
- Die Kaufkraft sinkt: Der heutige Betrag ist in 20 oder 30 Jahren real deutlich weniger wert. Schon 2 Prozent Inflation pro Jahr halbieren die Kaufkraft über rund 35 Jahre.
- Die Hochrechnung ist eine Annahme: Der prognostizierte höhere Wert unterstellt, dass Sie bis zur Rente weiter wie zuletzt verdienen und die Renten wie angenommen steigen. Brüche in der Erwerbsbiografie senken den echten Betrag.
So rechnen Sie Ihre Rentenlücke aus
Gehen Sie in fünf Schritten vor:
- Schritt 1 – Bedarf schätzen: Nehmen Sie 70 bis 80 Prozent Ihres heutigen Nettoeinkommens als monatlichen Bedarf im Alter an und passen Sie ihn an Ihre Pläne an.
- Schritt 2 – Nettorente ermitteln: Ziehen Sie von der Bruttorente aus der Renteninformation die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie einen Steueranteil ab. Übrig bleibt Ihre voraussichtliche Nettorente.
- Schritt 3 – weitere Einkünfte addieren: Rechnen Sie bereits bestehende Alterseinkünfte hinzu – etwa aus betrieblicher Altersvorsorge, einer privaten Rentenversicherung, Riester oder Mieteinnahmen.
- Schritt 4 – Lücke bilden: Bedarf minus Summe aller Alterseinkünfte ergibt Ihre monatliche Rentenlücke.
- Schritt 5 – Inflation berücksichtigen: Rechnen Sie die Lücke mit einem Inflationsaufschlag bis zum Rentenbeginn hoch, damit die Kaufkraft stimmt.
Ein Rechenbeispiel als Orientierung
Nehmen wir eine Angestellte mit 2.600 Euro Nettoeinkommen. Ihr Bedarf im Alter liegt bei rund 80 Prozent, also etwa 2.080 Euro. Ihre Renteninformation weist 1.500 Euro brutto aus; nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung sowie Steuer bleiben in der Größenordnung 1.250 Euro netto. Weitere Einkünfte hat sie bislang nicht. Die heutige Rentenlücke beträgt damit rund 830 Euro pro Monat. Bis zum Rentenbeginn in 25 Jahren steigt dieser Betrag durch die Inflation weiter an. Die Zahlen sind bewusst vereinfacht und dienen nur der Veranschaulichung – Ihre echte Rechnung hängt von Ihren individuellen Werten ab.
Vom Monatsbetrag zum Kapitalbedarf
Um zu wissen, wie viel Sie ansparen müssen, hilft die Umrechnung der monatlichen Lücke in einen Kapitalbedarf. Eine grobe Faustformel: monatliche Lücke mal zwölf mal die Zahl der erwarteten Rentenjahre. Bei 830 Euro Lücke und angenommenen 22 Rentenjahren ergibt das rein rechnerisch rund 219.000 Euro – vor Kapitalerträgen und Kaufkraftverlust. In der Praxis mildern die Erträge des angesparten Kapitals diesen Bedarf, während die Inflation ihn erhöht. Genau hier zeigt sich, warum ein früher Start und eine renditeorientierte Anlage so viel bewirken.
Bei wem die Lücke besonders groß ausfällt
Nicht jeder startet mit denselben Voraussetzungen. Wer längere Zeit in Teilzeit gearbeitet, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt hat, sammelt weniger Rentenansprüche und hat statistisch eine größere Lücke – das betrifft überdurchschnittlich häufig Frauen. Auch wer spät ins Berufsleben eingestiegen ist oder Phasen ohne Beiträge hatte, muss genauer hinschauen. Eine Sonderrolle spielen Selbstständige: Viele von ihnen zahlen gar nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein und müssen ihren gesamten Bedarf privat decken. Für sie gelten eigene Regeln, die der Ratgeber Altersvorsorge für Selbstständige behandelt.
Kranken- und Pflegeversicherung nicht vergessen
Ein oft unterschätzter Posten sind die Sozialabgaben im Ruhestand. Gesetzlich Versicherte in der Krankenversicherung der Rentner zahlen auf ihre gesetzliche Rente weiterhin Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Auf Betriebsrenten und bestimmte private Auszahlungen können ebenfalls Beiträge anfallen. Diese Abzüge gehören realistisch in die Bedarfsrechnung, sonst fällt die verfügbare Rente niedriger aus als geplant. Wer privat krankenversichert ist, sollte zusätzlich die Beitragsentwicklung im Alter im Blick behalten.
Die Lücke Schritt für Schritt schließen
Steht die Zahl, geht es an die Umsetzung. Welcher Baustein passt, hängt von Ihrer Situation ab: Geförderte Wege wie Riester oder die betriebliche Altersvorsorge lohnen sich für viele Angestellte, während flexible Lösungen mit ETF für Rendite und Verfügbarkeit sorgen. Wie sich die geförderten Varianten unterscheiden, zeigt der Vergleich Riester, Rürup oder private Rente; die flexiblen Wege behandelt der Ratgeber ETF-Altersvorsorge. Wie die gesetzliche Rente überhaupt entsteht und welche Zeiten sie erhöhen, erklärt der Ratgeber Gesetzliche Rente verstehen. Eine persönliche Einordnung bietet unsere Beratung zu Vorsorge & Rente.
Diese Fehler sollten Sie vermeiden
- Die Bruttorente mit dem verfügbaren Betrag verwechseln: Kranken-, Pflegeversicherung und Steuer schmälern die Rente spürbar.
- Die Inflation ignorieren: Ohne Kaufkraftbetrachtung wirkt die Lücke kleiner, als sie ist.
- Nur die gesetzliche Rente betrachten: Betriebs- und Privatrenten gehören in die Rechnung, sonst überschätzen Sie die Lücke.
- Die Rechnung einmal machen und vergessen: Gehalt, Familie und Verträge ändern sich – prüfen Sie Ihre Lücke alle paar Jahre neu.
Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Anlage- oder Steuerberatung. Alle Zahlen sind als Größenordnung zur Orientierung angegeben; maßgeblich sind Ihre persönlichen Werte und die jeweils gültigen gesetzlichen Regelungen.
Häufige Fragen
Wie berechne ich meine Rentenlücke?
Schätzen Sie zuerst Ihren Bedarf im Alter mit rund 70 bis 80 Prozent Ihres heutigen Nettoeinkommens. Ermitteln Sie dann Ihre voraussichtliche Nettorente, indem Sie von der Bruttorente aus der Renteninformation Kranken- und Pflegeversicherung sowie Steuer abziehen. Addieren Sie weitere Alterseinkünfte. Bedarf minus Einkünfte ergibt Ihre monatliche Rentenlücke, die Sie noch mit einem Inflationsaufschlag hochrechnen sollten.
Wie viel Prozent des Einkommens braucht man im Alter?
Als Faustregel gelten rund 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens, um den Lebensstandard zu halten. Der Wert ist nur ein Startpunkt: Wer im Alter zur Miete wohnt oder viel reisen möchte, sollte höher ansetzen, wer die eigene Immobilie abbezahlt hat, kommt teils mit weniger aus.
Ist die Rente aus der Renteninformation netto oder brutto?
Es ist ein Bruttobetrag. Davon gehen im Alter noch Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung ab, in der Größenordnung von rund 11 bis 12 Prozent, sowie Steuern. Der tatsächlich verfügbare Betrag liegt daher spürbar unter der ausgewiesenen Zahl.
Muss ich die Inflation in die Rentenlücke einrechnen?
Ja. Der Betrag aus der Renteninformation ist auf heutigem Stand angegeben und verliert bis zum Rentenbeginn an Kaufkraft. Schon 2 Prozent Inflation pro Jahr halbieren die Kaufkraft über rund 35 Jahre. Ohne Inflationsaufschlag wirkt die Lücke kleiner, als sie tatsächlich ist.
Wie viel Kapital brauche ich, um die Rentenlücke zu schließen?
Eine grobe Faustformel ist: monatliche Lücke mal zwölf mal die Zahl der erwarteten Rentenjahre. Bei 800 Euro Lücke und 22 Rentenjahren sind das rechnerisch rund 211.000 Euro. In der Praxis senken die Erträge des angesparten Kapitals diesen Bedarf, während die Inflation ihn erhöht.
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