Riester, Rürup oder private Rente? Geförderte Altersvorsorge im Vergleich

Von Serkan Parlak · ·Versicherung & Vorsorge

Riester, Rürup oder doch eine ungeförderte private Rente? Bei der geförderten Altersvorsorge entscheidet nicht die Werbung, sondern Ihre Lebenssituation. Angestellte mit Kindern profitieren anders als gutverdienende Selbstständige. Dieser Ratgeber vergleicht die Wege nüchtern und zeigt, für wen sich welche Lösung eignet. Er gehört zu unserem Überblick über die private Altersvorsorge und hilft, die passende Antwort auf Ihre Rentenlücke zu finden.

Riester-Rente: Zulagen für Familien und Geringverdiener

Die Riester-Rente lebt von der staatlichen Förderung. Es gibt eine Grundzulage von 175 Euro pro Jahr und eine Kinderzulage von 300 Euro je Kind, das ab 2008 geboren wurde (185 Euro für früher geborene Kinder). Um die volle Förderung zu erhalten, müssen Sie 4 Prozent Ihres Vorjahres-Bruttoeinkommens einzahlen, abzüglich der Zulagen; mindestens jedoch den Sockelbetrag von 60 Euro im Jahr. Die Beiträge sind bis zu 2.100 Euro pro Jahr als Sonderausgaben absetzbar. Besonders lohnend ist Riester deshalb für Familien mit mehreren Kindern und für Geringverdiener, bei denen die Zulagen einen großen Teil des Beitrags ausmachen.

Die Kehrseite: Riester-Verträge gelten als kostenintensiv und wenig flexibel, die spätere Rente wird nachgelagert voll besteuert, und die garantierte Beitragserhaltung drückt in der Niedrigzinsphase auf die Rendite. Über eine Reform der geförderten Vorsorge wird seit Jahren diskutiert. Ob Riester für Sie passt, hängt stark von Kinderzahl und Einkommen ab.

Rürup-Rente: der Steuerhebel für Selbstständige und Gutverdiener

Die Rürup- oder Basisrente gehört zur ersten Schicht und ist vor allem ein Steuersparmodell. Die Beiträge sind seit 2023 zu 100 Prozent als Sonderausgaben absetzbar – bis zu einem Höchstbetrag, der für 2025 bei 29.344 Euro für Ledige und 58.688 Euro für zusammenveranlagte Paare liegt. Auf diesen Höchstbetrag werden Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung angerechnet. Für Selbstständige ohne solche Beiträge und für Gutverdiener kann die jährliche Steuerersparnis erheblich sein.

Dem stehen deutliche Einschränkungen gegenüber: Eine Rürup-Rente zahlt ausschließlich eine lebenslange Rente. Sie lässt sich nicht als Kapital auszahlen, nicht kündigen, nicht beleihen und im klassischen Sinn nicht vererben. In der Ansparphase ist das Guthaben dafür pfändungsgeschützt. Die spätere Rente wird nachgelagert besteuert. Rürup ist damit ein Baustein für alle, die den Steuervorteil wollen und die geringe Flexibilität bewusst in Kauf nehmen.

Betriebliche Altersvorsorge: der Klassiker für Angestellte

Für Arbeitnehmer ist die betriebliche Altersvorsorge oft der naheliegendste geförderte Weg. Beiträge fließen aus dem Bruttogehalt, sparen also Steuern und Sozialabgaben, und der Arbeitgeber muss die Entgeltumwandlung mit mindestens 15 Prozent bezuschussen. Zu beachten ist, dass auf die spätere Betriebsrente in der Regel Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung anfallen und sie voll besteuert wird. Wie viel unterm Strich bleibt, hängt stark vom konkreten Tarif und vom Arbeitgeberzuschuss ab.

Private Rente ohne Förderung: maximale Flexibilität

Die dritte Schicht kommt ohne Zulagen aus, ist dafür aber frei gestaltbar. Eine private Rentenversicherung oder ein Fondssparplan lassen sich jederzeit anpassen, pausieren oder auch als Kapital auszahlen. Steuerlich ist die dritte Schicht in der Auszahlung häufig günstiger gestellt als die geförderten Varianten. Wer vor allem Flexibilität und Rendite sucht, findet die Details im Ratgeber ETF-Altersvorsorge.

Die drei Wege im Überblick

Merkmal Riester Rürup (Basisrente) Private Rente / ETF
Förderung Zulagen + Steuervorteil hoher Sonderausgabenabzug keine gesonderte Förderung
Vor allem für Familien, Geringverdiener Selbstständige, Gutverdiener alle, die Flexibilität wollen
Kapital möglich Teilauszahlung begrenzt nein, nur Rente ja
Vererbbarkeit eingeschränkt stark eingeschränkt flexibel regelbar
Besteuerung der Rente nachgelagert, voll nachgelagert, voll oft günstiger (Ertragsanteil)

Nachgelagerte Besteuerung: was das bedeutet

Riester, Rürup und bAV haben eines gemeinsam: Sie werden nachgelagert besteuert. In der Ansparphase bleiben die Beiträge steuerfrei oder gefördert, dafür ist die spätere Rente in voller Höhe steuerpflichtig. Das ist nicht automatisch ein Nachteil, denn im Ruhestand liegt der persönliche Steuersatz für viele niedriger als im Berufsleben. Entscheidend ist die individuelle Rechnung: Wer heute einen hohen Grenzsteuersatz hat und im Alter einen niedrigeren erwartet, gewinnt durch die Verschiebung. Die ungeförderte private Rente der dritten Schicht wird dagegen in der Auszahlung oft nur mit dem günstigen Ertragsanteil belastet. Wie die spätere gesetzliche Rente selbst besteuert wird und wie sie entsteht, erklärt der Ratgeber Gesetzliche Rente verstehen.

Kosten und Flexibilität im Blick behalten

Neben Förderung und Steuer entscheiden zwei weitere Faktoren über den Erfolg: die Kosten des Vertrags und seine Flexibilität. Hohe Abschluss- und Verwaltungskosten können einen Teil der Förderung wieder auffressen – deshalb lohnt der Blick auf die Effektivkosten. Und je unflexibler ein Vertrag ist, desto sicherer sollten Sie sein, dass die eingezahlten Beiträge langfristig gebunden bleiben können. Wer seine Sparrate womöglich anpassen muss, fährt mit einer flexiblen Lösung ruhiger. Prüfen Sie vor Abschluss immer, wie hoch der Beitrag ist, den Sie dauerhaft tragen können.

Welcher Weg passt zu wem?

  • Familie mit Kindern, mittleres Einkommen: Riester kann sich durch die Kinderzulagen rechnen – eine genaue Rechnung lohnt.
  • Selbstständige und Gutverdiener: Die Rürup-Rente bringt den größten Steuerhebel, siehe auch Altersvorsorge für Selbstständige.
  • Angestellte mit gutem Arbeitgeberzuschuss: Die betriebliche Altersvorsorge ist oft erste Wahl.
  • Wer Flexibilität will: Ein ETF-Sparplan oder eine private Rente ohne Förderung bleibt jederzeit anpassbar.

In der Praxis ist selten ein einziger Weg richtig. Häufig ergibt eine Kombination Sinn – etwa Riester oder bAV für die Förderung und ein flexibler ETF-Sparplan für Rendite und Verfügbarkeit. Eine unabhängige Einordnung Ihrer Situation bietet unsere Beratung zu Vorsorge & Rente.

Dieser Ratgeber dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Steuer- oder Anlageberatung. Förderbeträge und Höchstgrenzen entsprechen dem angegebenen Stand und können sich ändern; maßgeblich sind die jeweils gültigen gesetzlichen Regelungen und Ihre persönliche Situation.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Riester und Rürup?

Riester gehört zur zweiten Schicht und fördert vor allem über Zulagen von 175 Euro Grundzulage und 300 Euro je Kind ab Geburtsjahr 2008; es eignet sich für Familien und Geringverdiener. Rürup gehört zur ersten Schicht und fördert über den Sonderausgabenabzug der Beiträge, der 2025 bis 29.344 Euro für Ledige reicht; das lohnt sich vor allem für Selbstständige und Gutverdiener.

Für wen lohnt sich die Riester-Rente?

Vor allem für Familien mit mehreren Kindern und für Geringverdiener, weil die Zulagen dann einen großen Teil des Beitrags ausmachen. Die volle Förderung gibt es, wenn Sie 4 Prozent Ihres Vorjahresbruttos einzahlen, abzüglich der Zulagen. Nachteile sind die oft hohen Kosten, die geringe Flexibilität und die volle Besteuerung der späteren Rente.

Wie viel kann ich mit der Rürup-Rente steuerlich absetzen?

Die Beiträge sind seit 2023 zu 100 Prozent als Sonderausgaben absetzbar, bis zu einem Höchstbetrag von 29.344 Euro für Ledige und 58.688 Euro für zusammenveranlagte Paare im Jahr 2025. Auf diesen Höchstbetrag werden Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung angerechnet. Der Höchstbetrag wird jährlich angepasst.

Kann ich mir eine Rürup-Rente auszahlen lassen?

Nein. Die Rürup-Rente zahlt ausschließlich eine lebenslange monatliche Rente. Sie lässt sich nicht als Kapital auszahlen, nicht kündigen, nicht beleihen und im klassischen Sinn nicht vererben. In der Ansparphase ist das Guthaben dafür pfändungsgeschützt.

Riester, Rürup oder private Rente - was ist besser?

Es gibt keine allgemein beste Lösung. Riester passt zu Familien und Geringverdienern, Rürup zu Selbstständigen und Gutverdienern, die betriebliche Altersvorsorge zu Angestellten mit gutem Arbeitgeberzuschuss, und die ungeförderte private Rente zu allen, die Flexibilität wollen. Oft ist eine Kombination sinnvoll. Eine individuelle Beratung klärt, was zu Ihnen passt.

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