Betriebliche Krankenversicherung (bKV): Leitfaden für Arbeitgeber

Von Kredus · ·Versicherung & Vorsorge

Eine Praxis in Essen sucht seit Monaten eine Medizinische Fachangestellte. Die Bewerberin entscheidet sich am Ende für die Praxis zwei Straßen weiter. Nicht wegen des Gehalts, das war fast gleich, sondern weil dort Brille, Zahnersatz und Vorsorge über den Arbeitgeber mitversichert sind. Genau dieses Werkzeug heißt betriebliche Krankenversicherung, kurz bKV. Dieser Ratgeber zeigt Arbeitgebern aus Praxis und Mittelstand, wie eine bKV aufgebaut ist, was ein Budgettarif leistet und wie die steuerliche Behandlung als Sachbezug aussieht.

Was eine bKV ist, in drei Sätzen

Der Arbeitgeber schließt bei einem Versicherer einen Gruppenvertrag ab und zahlt die Beiträge für seine Beschäftigten. Versichert sind Leistungen, die die gesetzliche Krankenversicherung nicht oder nur teilweise übernimmt, etwa Zahnersatz, Sehhilfen, Vorsorgeuntersuchungen, Heilpraktiker oder ein Einbettzimmer im Krankenhaus. Die Beschäftigten bleiben in ihrer gesetzlichen Kasse und bekommen die bKV als Zusatzschutz obendrauf.

Für den Betrieb ist die bKV damit ein Teil der Vergütung, der im Alltag sichtbar wird: bei jeder Rechnung vom Optiker oder Zahnarzt, die nicht mehr selbst bezahlt werden muss.

Warum Arbeitgeber zur bKV greifen

Gehaltserhöhungen kommen beim Beschäftigten nach Steuern und Abgaben oft deutlich geschmälert an. Eine bKV wird dagegen als Leistung wahrgenommen, die es so am freien Markt für den Einzelnen nicht oder nur mit Gesundheitsprüfung gibt. Für Arbeitgeber zählen vor allem drei Effekte:

  • Bindung. Wer den Arbeitgeber wechselt, verliert den Schutz in der Regel oder muss ihn privat weiterführen. Das ist ein spürbarer Grund zu bleiben.
  • Gewinnung. In Stellenanzeigen ist eine bKV ein konkretes Argument, das sich von „gutem Betriebsklima“ abhebt.
  • Gesundheit im Team. Wenn Vorsorge und Zahnbehandlung nicht am Geld scheitern, werden sie eher wahrgenommen.

Für Arztpraxen kommt ein besonderer Punkt hinzu: Medizinische Fachangestellte und Pflegekräfte kennen den Wert von Gesundheitsleistungen aus dem eigenen Arbeitsalltag. Eine Leistung, die sie täglich bei Patienten sehen, für sich selbst zu bekommen, wirkt.

Bausteintarif oder Budgettarif

Am Markt haben sich zwei Grundformen durchgesetzt. Welche passt, hängt von der Belegschaft ab.

Bausteintarife

Der Arbeitgeber wählt feste Leistungsbausteine, zum Beispiel Zahnersatz, Sehhilfen und stationäre Leistungen. Jeder Baustein hat eigene Erstattungsregeln. Das ist übersichtlich, passt aber nicht immer zu einer gemischten Belegschaft: Die 25-jährige Auszubildende braucht andere Leistungen als der 58-jährige Praxismanager.

Budgettarife

Beim Budgettarif steht jedem Beschäftigten ein jährliches Gesundheitsbudget zur Verfügung, aus dem er innerhalb des vereinbarten Leistungskatalogs selbst wählt. Die eine nutzt es für eine neue Brille, der andere für eine professionelle Zahnreinigung oder Osteopathie. Höhe des Budgets und Leistungskatalog legt der Tarif fest. Für Betriebe mit unterschiedlichen Altersgruppen ist das oft die flexiblere Lösung, weil jeder Beschäftigte das Budget dort einsetzt, wo er es braucht.

Konkrete Budgethöhen und Beiträge nennen wir hier bewusst nicht. Sie unterscheiden sich je nach Versicherer, Betriebsgröße und Leistungskatalog und werden für Ihren Betrieb im Vergleich ermittelt.

Gesundheitsprüfung und Wartezeiten

Ein großer Vorteil von Gruppenverträgen: Viele Versicherer verzichten bei der bKV auf Gesundheitsfragen und Wartezeiten, wenn alle Beschäftigten oder eine klar abgegrenzte Gruppe versichert werden. Damit erhalten auch Mitarbeitende Schutz, die privat wegen Vorerkrankungen keinen Zusatztarif bekämen. Die genauen Annahmeregeln, etwa eine Mindestzahl versicherter Personen oder der Umgang mit bereits laufenden Behandlungen, stehen in den Bedingungen des jeweiligen Gruppenvertrags. Diese Punkte prüfen wir vor dem Abschluss.

Steuer und Sozialversicherung: bKV als Sachbezug

Hier liegt der Punkt, an dem viele Arbeitgeber unsicher sind. Die Grundlage ist eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs: Mit Urteil vom 7. Juni 2018 (Az. VI R 13/16) hat der BFH entschieden, dass Beiträge des Arbeitgebers zu einer Zusatzkrankenversicherung Sachlohn sein können, wenn der Beschäftigte nur Versicherungsschutz und keine Geldzahlung verlangen kann. Die Finanzverwaltung hat das im BMF-Schreiben vom 15. März 2022 zur Abgrenzung von Bar- und Sachlohn aufgegriffen.

Daraus folgt in der Praxis:

  • 50-Euro-Freigrenze. Sachbezüge bleiben nach § 8 Abs. 2 Satz 11 EStG steuerfrei, wenn sie insgesamt 50 Euro im Monat nicht übersteigen (Betrag seit 1. Januar 2022). Es handelt sich um eine Freigrenze, keinen Freibetrag: Wird sie auch nur um einen Euro überschritten, ist der gesamte Betrag steuerpflichtig.
  • Andere Sachbezüge zählen mit. Tankgutscheine, Warengutscheine oder Jobtickets, die ebenfalls unter diese Grenze fallen, werden zusammengerechnet. Wer schon Gutscheine nutzt, muss die bKV mit einplanen.
  • Sozialversicherung folgt der Steuer. Steuerfreie Sachbezüge innerhalb der Freigrenze sind nach § 1 der Sozialversicherungsentgeltverordnung (SvEV) in der Regel auch beitragsfrei.
  • Betriebsausgabe. Für den Betrieb sind die Beiträge Personalaufwand.

Nicht verwechseln sollten Sie die bKV mit der steuerfreien Gesundheitsförderung nach § 3 Nr. 34 EStG. Dieser Freibetrag von 600 Euro im Jahr gilt für zertifizierte Präventionskurse und betriebliche Gesundheitsförderung, nicht für Versicherungsbeiträge.

Wie die bKV in Ihrem Betrieb lohnsteuerlich behandelt wird, ob innerhalb der Freigrenze, mit Pauschalierung oder als steuerpflichtiger Arbeitslohn, sollten Sie mit Ihrer Steuerberatung abstimmen. Wir liefern dafür die Vertragsdaten und die Beitragsübersicht je Beschäftigtem.

bKV und bAV: zwei Bausteine, die sich ergänzen

Viele Betriebe bieten bereits eine betriebliche Altersvorsorge an. Die bAV wirkt allerdings erst im Ruhestand und ist für junge Beschäftigte oft weit weg. Die bKV wirkt sofort, ab dem ersten Optikerbesuch. Gemeinsam ergeben beide ein Paket, das kurzfristig sichtbar ist und langfristig absichert. Wie die bAV für Beschäftigte funktioniert, erklären wir im Ratgeber Betriebliche Altersvorsorge für Arbeitnehmer. Welche Rente am Ende tatsächlich ankommt, rechnet der Beitrag So viel Rente bringt die bAV wirklich durch.

Worauf Arztpraxen und Mittelstand achten sollten

  1. Wer wird versichert? Alle Beschäftigten oder klar abgegrenzte Gruppen, etwa alle Festangestellten nach der Probezeit. Willkürliche Auswahl schafft Unruhe im Team und kann arbeitsrechtliche Fragen der Gleichbehandlung aufwerfen.
  2. Kommunikation. Eine bKV, von der niemand weiß, bindet niemanden. Ein kurzes Informationsblatt und ein Hinweis im Gehaltsgespräch gehören dazu.
  3. Angehörige. Manche Tarife erlauben es Beschäftigten, Partner und Kinder auf eigene Kosten mitzuversichern. Das ist ein zusätzlicher Wert, ohne dass der Betrieb mehr zahlt.
  4. Ausscheiden. Prüfen Sie, ob Beschäftigte den Schutz beim Wechsel privat fortführen können und zu welchen Bedingungen.
  5. Verwaltung. Neueintritte und Austritte müssen gemeldet werden. Je schlanker das Portal des Versicherers, desto weniger Arbeit für die Praxisverwaltung.

Wie kredus vorgeht

Wir erfassen Betriebsgröße, Altersstruktur und vorhandene Benefits, vergleichen als Versicherungsmakler Bausteintarife und Budgettarife mehrerer Gesellschaften und legen Ihnen eine Übersicht mit Leistungen, Annahmeregeln und Beiträgen vor. Die steuerliche Einordnung stimmen wir mit Ihrer Steuerberatung ab.

Weitere Bausteine der betrieblichen Absicherung finden Sie unter Unternehmensabsicherung, und für Praxisinhaber selbst lohnt der Blick auf die Berufsunfähigkeitsversicherung für Ärzte und Akademiker. Wer eine Praxis oder Einrichtung führt, findet auf der Seite Heilberufe und Gesundheit unseren gesamten Ansatz.

Erstgespräch zur bKV vereinbaren

Stand: 28. Oktober 2026. Quellen: BFH, Urteil vom 7.6.2018, VI R 13/16; BMF-Schreiben vom 15.3.2022 zu Sachbezügen nach § 8 Abs. 1 und 2 EStG; § 8 Abs. 2 Satz 11 und § 3 Nr. 34 EStG; § 1 SvEV. Dieser Ratgeber ersetzt keine Steuerberatung.

Häufige Fragen

Ist die betriebliche Krankenversicherung steuerfrei?

Sie kann es sein. Kann der Beschäftigte nur Versicherungsschutz und keine Geldzahlung verlangen, behandelt die Finanzverwaltung die Beiträge als Sachbezug (BFH, Urteil vom 7.6.2018, VI R 13/16). Dann gilt die monatliche Freigrenze von 50 Euro nach § 8 Abs. 2 Satz 11 EStG, in die auch andere Sachbezüge wie Gutscheine eingerechnet werden. Die konkrete Behandlung stimmen Sie mit Ihrer Steuerberatung ab.

Was ist ein Budgettarif in der bKV?

Jeder Beschäftigte erhält ein jährliches Gesundheitsbudget und setzt es innerhalb des vereinbarten Leistungskatalogs selbst ein, etwa für Brille, Zahnreinigung oder Heilpraktiker. Höhe des Budgets und Katalog legt der jeweilige Tarif fest.

Gibt es bei der bKV eine Gesundheitsprüfung?

Bei Gruppenverträgen verzichten viele Versicherer auf Gesundheitsfragen und Wartezeiten, wenn alle Beschäftigten oder eine klar abgegrenzte Gruppe versichert werden. Die genauen Annahmeregeln stehen in den Bedingungen des Gruppenvertrags.

Fragen zu Ihrem Fall?

Unabhängig, kostenlos und unverbindlich. Wir ordnen Ihre Situation ein, bevor irgendetwas unterschrieben wird.

Kostenlose Beratung