Ökostrom-Ratgeber: wechseln, sparen, worauf achten

Von Serkan Parlak · ·Energie

Ökostrom ist längst kein Nischenprodukt mehr – in fast jeder Stadt lässt sich heute ein Tarif buchen, der auf erneuerbaren Energien basiert. Doch was steckt wirklich dahinter, wie hoch ist das Sparpotenzial und worauf sollten Sie beim Wechsel achten? Dieser Ratgeber gibt Ihnen einen sachlichen Überblick – ohne Versprechen, die niemand halten kann.

Was ist Ökostrom eigentlich?

Als Ökostrom wird Strom bezeichnet, der aus erneuerbaren Quellen wie Wasserkraft, Windenergie, Solar oder Biomasse stammt. Wichtig zu verstehen: Physikalisch fließt aus Ihrer Steckdose immer der gleiche Strommix des öffentlichen Netzes. Sie können den „grünen“ Strom nicht getrennt vom „grauen“ beziehen. Was Sie mit einem Ökostromtarif kaufen, ist die Zusage Ihres Anbieters, eine entsprechende Menge erneuerbaren Strom ins Netz einzuspeisen bzw. nachzuweisen.

Herkunftsnachweise verstehen

Die grüne Eigenschaft wird über sogenannte Herkunftsnachweise dokumentiert. Diese werden in Deutschland im Register des Umweltbundesamtes geführt. Ein Anbieter, der Ökostrom verkauft, muss für die gelieferte Menge entsprechende Nachweise entwerten. Kritiker weisen darauf hin, dass Nachweise teils separat vom physischen Strom gehandelt werden – ein Tarif kann also „grün“ ausgewiesen sein, ohne dass der Anbieter selbst in neue Anlagen investiert. Wer Wert auf mehr Wirkung legt, schaut deshalb genauer hin.

Woran erkenne ich guten Ökostrom?

Ein Anhaltspunkt sind unabhängige Gütesiegel. In Deutschland sind etwa das „ok-power“-Label und das „Grüner Strom Label“ verbreitet. Solche Siegel stellen in der Regel zusätzliche Anforderungen, zum Beispiel an den Ausbau neuer Anlagen. Ein Siegel ist keine Garantie für den günstigsten Preis, kann aber ein Hinweis auf eine ernsthaftere Ausrichtung des Anbieters sein.

  • Prüfen Sie, ob ein anerkanntes Gütesiegel vorliegt.
  • Achten Sie darauf, ob der Anbieter in den Ausbau erneuerbarer Anlagen investiert.
  • Vergleichen Sie Preis, Vertragslaufzeit und Kündigungsfristen unabhängig vom Siegel.

Realistisches Sparpotenzial

Hier ist Ehrlichkeit wichtig: Einen festen Sparbetrag kann seriös niemand versprechen. Wie viel Sie einsparen, hängt vor allem von Ihrem Ausgangstarif ab. Wer noch in der Grundversorgung ist – dem meist teuersten Standardtarif des örtlichen Grundversorgers – hat in der Regel den größten Spielraum. Wer bereits in einem günstigen Sondertarif steckt, spart beim Wechsel oft nur wenig oder nichts.

Ökostrom ist heute nicht zwangsläufig teurer als konventioneller Strom. Viele grüne Tarife bewegen sich im gleichen Preisbereich wie graue Angebote. Die tatsächlichen Kosten hängen von Ihrem Jahresverbrauch in Kilowattstunden, dem Grund- und Arbeitspreis sowie den aktuellen Beschaffungsbedingungen an der Strombörse ab. Preise können sich also ändern.

Preisgarantie und Vertragslaufzeit

Achten Sie beim Vergleich auf die Art der Preisgarantie. Manche Tarife garantieren nur die reinen Beschaffungskosten, nicht aber Steuern und Netzentgelte. Kurze Vertragslaufzeiten und überschaubare Kündigungsfristen halten Sie flexibel. Bei Neukundenboni gilt: Ein hoher Sofortbonus im ersten Jahr sagt wenig über den Preis im Folgejahr aus – rechnen Sie mit dem Grundpreis über die gesamte Laufzeit.

So läuft ein Tarifwechsel ab

Der Wechsel ist unkomplizierter, als viele denken. Ihre Stromversorgung bleibt dabei jederzeit gesichert – niemand steht ohne Strom da, denn die Belieferung ist gesetzlich abgesichert.

  • Verbrauch ermitteln: Schauen Sie auf Ihre letzte Jahresabrechnung; dort steht Ihr Verbrauch in kWh.
  • Zählerstand und Zählernummer bereithalten: Diese Angaben braucht der neue Anbieter.
  • Tarife vergleichen: Preis, Laufzeit, Preisgarantie und Gütesiegel gegeneinander abwägen.
  • Wechsel beauftragen: In der Regel übernimmt der neue Anbieter die Kündigung beim alten Versorger.
  • Netzbetreiber bleibt gleich: Leitungen, Zähler und die Versorgungssicherheit ändern sich nicht – nur Ihr Vertragspartner wechselt.

Grenzen und ehrliche Einordnung

Ökostrom ist ein sinnvoller Baustein, aber kein Allheilmittel. Ein Tarifwechsel allein macht das Stromnetz nicht sofort klimaneutral, und der Umwelteffekt einzelner Tarife ist je nach Anbieter unterschiedlich. Preise unterliegen Marktschwankungen, und Boni können in Folgejahren wegfallen. Wer bewusst wählt, kombiniert einen fairen Preis mit einem glaubwürdigen Ökostrom-Angebot – und behält die Vertragskonditionen im Blick.

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Weiterführend: Betriebliche Altersvorsorge: Ratgeber für Arbeitnehmer

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