Anschlussfinanzierung: Ratgeber zur Restschuld nach Zinsbindung
Was ist eine Anschlussfinanzierung?
Die meisten Baufinanzierungen sind zum Zeitpunkt des Kaufs oder Baus noch nicht vollständig abbezahlt. Am Ende der vereinbarten Sollzinsbindung – etwa nach zehn oder fünfzehn Jahren – bleibt in der Regel eine Restschuld übrig. Für diesen verbleibenden Betrag wird eine neue Finanzierung benötigt: die Anschlussfinanzierung. Sie regelt, zu welchen Konditionen das Darlehen weiterläuft, bis die Immobilie endgültig schuldenfrei ist.
Eine Anschlussfinanzierung ist damit nichts Ungewöhnliches, sondern ein planbarer, fester Bestandteil fast jeder langfristigen Immobilienfinanzierung. Wer sich rechtzeitig damit beschäftigt, kann seine Konditionen aktiv gestalten, statt sie einfach hinzunehmen.
Die drei Wege der Anschlussfinanzierung
Prolongation bei der bisherigen Bank
Bei der Prolongation verlängern Sie den Vertrag bei Ihrer bisherigen Bank. Das Institut unterbreitet Ihnen dazu vor Ablauf der Zinsbindung ein Angebot mit neuen Konditionen. Der Vorteil liegt im geringen Aufwand: Es sind keine neuen Unterlagen und keine Änderung der Grundschuld nötig. Der Nachteil ist, dass das erste Angebot nicht automatisch das günstigste am Markt sein muss. Ein Vergleich lohnt sich fast immer.
Umschuldung zu einer anderen Bank
Bei der Umschuldung wechseln Sie mit der Restschuld zu einem anderen Anbieter, der Ihnen bessere Konditionen bietet. Die neue Bank löst das alte Darlehen ab. Dafür wird die Grundschuld anteilig an das neue Institut abgetreten – ein üblicher Vorgang, der über den Notar abgewickelt wird. Hierfür können Kosten anfallen, die Sie in Ihre Rechnung einbeziehen sollten.
Forward-Darlehen zur Zinssicherung
Läuft Ihre Zinsbindung erst in einigen Jahren aus, können Sie sich mit einem Forward-Darlehen die heutigen Konditionen für die Zukunft sichern. Das kann sinnvoll sein, wenn Sie steigende Zinsen erwarten. Da hierbei ein Zinsaufschlag anfällt und eine Abnahmepflicht besteht, sollte diese Variante gut durchdacht sein.
Ablauf: Schritt für Schritt
- Restschuld ermitteln: Prüfen Sie, welcher Betrag zum Ende der Zinsbindung noch offen ist. Diese Angabe finden Sie im Tilgungsplan Ihres bestehenden Darlehens.
- Frühzeitig informieren: Beginnen Sie idealerweise rund drei Jahre vor Ablauf, sich mit dem Thema zu beschäftigen und den Markt zu beobachten.
- Angebote vergleichen: Stellen Sie das Verlängerungsangebot Ihrer Bank anderen Konditionen gegenüber.
- Konditionen festlegen: Bestimmen Sie neue Zinsbindung, Tilgungshöhe und mögliche Sondertilgungsrechte passend zu Ihrer Lebenssituation.
- Vertrag abschließen und umsetzen: Nach der Zusage wird das alte Darlehen abgelöst, bei einem Bankwechsel wird die Grundschuld übertragen.
Zinsen, Tilgung und Restschuld
Die neue Rate setzt sich – wie bei der Erstfinanzierung – aus Zins und Tilgung zusammen. Weil ein Teil der Schuld bereits abbezahlt ist, ist die zu finanzierende Summe meist deutlich kleiner als zu Beginn. Das eröffnet Spielraum: Bei einer Anschlussfinanzierung wählen viele Kreditnehmer eine höhere Tilgung, um die verbleibende Restschuld schneller abzubauen.
Die Höhe des Zinssatzes hängt vom allgemeinen Marktniveau, der gewählten Zinsbindung und dem Verhältnis der Restschuld zum Immobilienwert ab. Auch die vereinbarte Tilgungshöhe und Sondertilgungsoptionen können die Konditionen beeinflussen. Konkrete Zahlen lassen sich nur individuell und tagesaktuell ermitteln.
Die Rolle von Eigenkapital und Sondertilgung
Haben Sie während der ersten Zinsbindung Rücklagen gebildet, können Sie diese in die Anschlussfinanzierung einbringen und die Restschuld direkt verringern. Eine niedrigere Restschuld bedeutet einen kleineren Finanzierungsbedarf und kann sich positiv auf Ihre Konditionen auswirken. Wer regelmäßig Sondertilgungen leistet, verkürzt die Gesamtlaufzeit zusätzlich.
Häufige Stolpersteine
- Nur ein Angebot einholen: Wer ausschließlich die Prolongation der Hausbank annimmt, verschenkt womöglich bessere Konditionen anderer Anbieter.
- Zu spät kümmern: Wer erst kurz vor Ablauf aktiv wird, gerät unter Zeitdruck und kann Angebote nicht in Ruhe vergleichen.
- Nebenkosten übersehen: Bei einem Bankwechsel können Kosten für die Grundschuldübertragung entstehen, die den Zinsvorteil schmälern.
- Rate falsch kalkulieren: Eine zu niedrige Tilgung verlängert die Laufzeit spürbar, eine zu hohe kann das Haushaltsbudget überlasten.
- Sonderkündigungsrecht nicht kennen: Nach zehn Jahren bestehen unter bestimmten Voraussetzungen gesetzliche Kündigungsmöglichkeiten. Ob und wie diese für Sie gelten, klären Sie individuell.
Fazit und nächster Schritt
Die Anschlussfinanzierung entscheidet darüber, wie günstig und wie schnell Sie den Rest Ihrer Immobilie abbezahlen. Wer sich frühzeitig informiert, Angebote vergleicht und Tilgung sowie Zinsbindung bewusst wählt, verschafft sich Planungssicherheit und mögliche Einsparungen über die gesamte Restlaufzeit.
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